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Das Gericht

Hier ist zwischen dem Hoch-, Stadt-, Gast- und Märzengericht zu unterscheiden.

Das Hochgericht:
In karolingischer Zeit (751 - 987) unterstanden die Bewohner unserer Gegend (Grenze: Arlberg - Götzis - Wallensee) dem Gaugericht "Müsinen", bei welchem bis um ca. 1000 n Chr. noch nach römischem Recht gehandelt wurde. Unter den Werdenbergern (ab 1260) trat allmählich eine Änderung ein. Nach diesem Zeitpunkte befand sich das für den heutigen Bezirk Bludenz einschließlich Frastanz in "Guggais" (das ist beim hängenden Stein). Nach der Vereinigung der Herrschaften Bludenz und Sonnenberg (1474) wurde das Hochgericht "der Kostung wegen"
Auf das Rathaus von Bludenz verlegt, wo durch den jeweiligen Untervogt Recht gesprochen
wurde. Das herrschaftliche "malefiz" oder Blutgericht behandelte nur Verbrechen.


Das Stadtgericht:
Dieses Gericht umfaßte ursprünglich nur das Gebiet der Stadt Bludenz. Nach dem erwähnten Zusammenschluß von Sonnenberg und Bludenz wurde dieses Gebiet dem Stadtgericht unterstellt. Es behandelte die leichten Frevel, die ebenfalls vom Untervogte abgeurteilt wurden. Weiter befaßte sich dieses Gericht auch mit Erb, Kauf, Lehen und Gant. In den ersteren drei Fällen jedoch nur bei Nichthofjüngern. Unter leichten Frevel sind nach den heutigen Rechtsbestimmungen, Übertretungen und Vergehen zu verstehen.

Mit dem Ausdrucke "Gant" ist die Zwangsversteigerung gemeint.


Das Gastgericht:
Hier handelte es sich um eine Sondereinrichtung, welche von Jedermann in Anspruch genommen werden konnte, wenn für ihn Gefahr im Verzuge war. Auch Bürgern fremder Herrschaften war es ohne weiteres möglich hier Recht zu suchen, wenn der Beschuldigte im Bereiche der Herrschaft Bludenz - Sonnenberg seßhaft war. Das Gericht konnte jedoch nur angesprochen werden, wenn der Kläger ohne erheblichen Schaden zu leiden kein anderes Gericht ansprechen konnte.
Als Urteilssprecher fungierte hier der jeweilige Bürgermeister von Bludenz.


Das Märzengericht:
Dieses von Graf Albrecht von Werdenberg III. von Werdenberg/Heiligenberg am 1. März 1382 eingesetzte Gericht tagte jährlich an den ersten drei Tagen im März. Es handelte nur in Fällen, welche Erb, Kauf und Lehen der Hofjünger betrafen. Tagungsort des Märzengerichts war
nach dem Hofbrief Albrechts des III. bei St.Peter "auf der Platte" unter freiem Himmel; letzteres
war ursprünglich bei allen Gerichten zutreffend. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde sodann
auch das Märzengericht auf das Rathaus verlegt. Dies geschah, wie aus den Gerichtsprotokollen ersichtlich ist "der Witterung halber, da dieselbe in diesen Gegenden zu eingehendem Märzen
noch sehr rauh sei." Es heißt weiter, daß das Gericht "uff dem Rathaus tage, als ob es ze St. Peter
uff der Platte geschehe nach altem Fug und Recht, den Hofjüngern ohn Schaden". Während das "Malefiz" und das Stadtgericht unter dem Vorsitze des Untervogtes im Beisein des Bürgermeisters und der Ratsherren sowie des Stadtschreibers als Protokollführer amtshandelte, tagte das Märzengericht unter dem Vorsitze des Untervogtes, wobei der Bürgermeister, zwei Ratsherren und neun Hofjünger als Beisitzer fungierten. Die Protokolle faßte der Stadtschreiber ab. Bei den Tagungen des Märzengerichtes hatte jeder Hofjünger, der einen eigenen Herd "Husröchi" besaß in "Wehr und Waffen" unter schwerer Strafe zu erscheinen.

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