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Egli Neyer, herrschaftlicher Forstüberreiter ging am Walpurgistag des Jahres 1624 von Bludenz schattenhalb über Stallehr nach Braz. Schon auf dem Weg durch die Brunnenfelder Au beobachtete er links und rechts des Weges zahlreiche Schlangen, was ihm bis dahin nie aufgefallen war, trotzdem er diesen Weg oft benützte. Interessant an dieser Beobachtung war, daß die Schlangen taleinwärts zogen.

Als Neyer Stallehr hinter sich gelassen hatte, sah der nicht furchtsame Mann zu seiner nicht geringen Verwunderung, daß die Zahl der Schlangen immer größer wurde, die alle der Quelle Vitrola zustrebten, wo er mit Grauen hunderte um und im Wasser versammelt sah. Entsetzt entfernte sich der Mann und erzählte den Vorfall dem Pfarrer von Braz, der ihm den dringenden
Rat gab, an diesem Abend nach dem Aveläuten nicht mehr durch dieses Gebiet zu gehen, da es ihm sonst wahrscheinlich nicht gut ergehen werde.

Neyer, der an dem fraglichen Abend auf dem Rückweg kurz vor dem Englischen Gruß Stallehr erreichte, hielt sich dort noch einige Zeit auf. Der mutige Mann wollte den in Stallehr wohnhaften Hofjünger Christian Seeberger, der ebenfalls als furchtloser bekannt war, dazu bewegen mit ihm um Mitternacht zur Vitrola zu gehen um sich zu überzeugen, ob die Vermutung des Brazer Pfarrers, daß dort um diese Zeit ein Hexentanz stattfinde, sich bewahrheitete. Nach langem Sträuben ging Seeberger mit. Die genannten kamen gegen Mitternacht zum Feldkreuz im Innerfeld von wo aus sie in der Gegend der Vitrola ein unheimliches Licht beobachteten; gleichzeitig hörten sie von der Quelle her ein grauenerregendes Sausen und Singen, das sie, trotzdem sie mit Weihwasser wohl versorgt waren, erschaudern ließ.

Nachdem dann aber plötzlich ein wohlbekleideter Mann vor ihnen stand (der fürchterlich nach Schwefel stank) und sie einlud näher zu treten, zogen es die beiden vor, den Platz zu verlassen und in den Ort zurückzukehren. Je weiter Neyer und Seeberger sich vom Feldkreuz entfernten umso deutlicher hörten sie wie bei der besagten Quelle zum Tanz aufgespielt wurde. Anderntags stellten sowohl Neyer als auch Seeberger fest, daß um die Quelle herum zahllose ihnen unverständliche Zeichen in den Boden eingeritzt waren, die spurlos verschwanden, wenn
sie mit Weihwasser besprengt wurden. Auch war weit und breit keine Schlange mehr zu sehen.


Christa Goldner aus Stallehr war an einem sehr heißen Sommertag des Jahres 1631 auf der Davenna mit Holzarbeiten beschäftigt. Zur Mittagszeit setzte er sich in der Nähe des Diebschlössle an einem aussichtsreichen Platz auf einen Stein um sein bescheidenes Mahl einzunehmen und beobachtete dabei, wie ein Gewitter langsam durch den Walgau heraufzog. Aufeinmal trat ein ihm völlig unbekanntes, altes und häßliches Weib auf ihn zu und erklärte ihm, daß er auf ihrem Platze sitze und deshalb etwas weiter seitwärts rücken solle. Goldner, der ein sehr friedliebender Mann war und dem das alte Weib nicht geheuer vorkam, rückte auf einen anderen Platz von wo aus er die Alte und das heraufziehende Gewitter, wie er meinte unauffällig beobachten konnte. Dabei sah er wie das Weib geradeaus auf das Tal blickend, ständig unverständliche Worte vor sich hin murmelte. Da ertönten auf einmal vom Turme der Bludenzer Pfarrkirche die Glocken, worauf das Weib einen Fluch ausstoßend aufsprang und einen fürchterlichen Gestank zurücklassend, im Dickicht des Waldes verschwand. Das Gewitter aber zog ohne sich zu entladen durch das Montafon einwärts.


Peter Manahl, ein Bewohner von Bings, hatte zu Beginn der 1880iger Jahre geschäftlich in Schruns zu tun. Als er gegen Mitternacht auf seinem Heimweg nach Bings in der Nähe der Vandanser Illbrücke kam, hörte er von dort ein Kind bitterlich weinen. Er ging dieser Stimme nach und traf dort ein aus Stallehr stammendes Büblein bei der Brücke sitzend an. Auf die Frage wie es denn daher gekommen sei, antwortete das Büblein: "Es habe am Abend nach dem Ave Maria läuten noch nach Bings müssen und wie es auf dem Rückweg zur Alfenz gekommen sei, habe es eine ganz schöne Musik gehört und der sei es immer nachgegangen bis diese bei der Illbrücke da verstummt sei." Der genannte nahm das Kind mit nach Stallehr zurück, wo es schon stundenlang durch die männlichen Ortsbewohner gesucht wurde. Die für das Büblein so verhängnisvolle Musik aber wurde von alten Leuten als vom fahrenden Nachtvolk herrührend bezeichnet.

Vorstehende Heimatkunde wurde durch August Manahl,
Stadtarchivar zu Bludenz, zusammengetragen.

Bludenz, den 12. Dezember 1952

August Manahl e.h.

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