Seitenbereiche

Inhalte

Der Ursprung

Die erste Besiedlung dürfte bereits in römischer, vielleicht sogar schon in vorrömischer Zeit von Bludenz als dem Hauptort des Walgaus aus, vor sich gegangen sein. verläßliche Beweise liegen jedoch hierüber nicht vor.

Einzelne Streufunde aus dieser Zeit lassen jedoch diese Möglichkeit zu; ebenso die romanische Bezeichnung "Butziens" und jene des Ortes selbst. Im Teilbriefe ddt. Lindau 1355 Mai 21., in welchem die Zerlegung des Walgaus durch die Grafen von Werdenberg/Sargans (Vaduz) und jenen von Werdenberg/Heiligenberg erfolgte, scheint die Gegend von Stallehr, nicht aber der Ort als solcher auf.

Im Zuge dieser Gebietsteilung wurde die Stadt Bludenz, das Tal Montafon, der Hof zu St. Peter, die Feste Bürs sowie die Silberer und Walser, welche zwischen "Buziens" und dem "St. Niclasen-Bild" seßhaft waren, dem Grafen Albrecht I. v. Werdenberg/Heiligenberg, zugeteilt. Aus dem Streit der Hofjünger mit den Sonnenbergern, welcher von 1554 - 1587 wegen der Besteuerung der Ortschaft Stallehr zwischen den genannten Parteien geführt wurde, geht
hervor, daß unter "Buziens" wahrscheinlich die Quelle "Vitriola" gemeint ist. Das St. Niclasen-Bild hingegen befand sich an der Mündung der Alfenz in die Ill. Das strittige Gebiet umfaßte somit im Wesentlichen das Gemeindegebiet von Stallehr, wie es heute noch ist.

Aus diesem Brief geht heute weiter hervor, daß die seinerzeitige Bevölkerung von Stallehr vorwiegend aus Hofjüngern und Walsern bestand, die teils in der Landwirtschaft, teils im
Bergbau auf Silber tätig war. Die Annahme scheint unbedingt gerechtfertigt, daß Graf Albrecht I.
von Werdenberg/Heiligenberg, hier Walserfamilien angesiedelt hat, um einerseits Kräfte aus diesem strebsamen Volke für seine im Klostertal und Montafon liegenden Bergwerke zu bekommen, andererseits aber um waffenfähige Männer außerhalb der Stadt Bludenz zu haben,
die im Ernstfalle zum Einsatze seiner nahe gelegenen Stadt verwendet werden konnten.

In dem zitierten Streit zwischen der Steuergnoss der Herrschaft Sonnenberg ob der Brücke und jener der Hofjünger im Montafon, welche zur Herrschaft Bludenz gehörte, handelte es sich um Steuer, Schmutz- und Reisegelder, Landesverteidigung und Kriegskosten. Die gegenseitige Anerkennung der Landmarken und der Grenzen der Steuergnossen, besonders jener von Stallehr bildeten hierbei die wesentlichsten Punkte.

Die Gnossen stellten Ansprüche auf die Besteuerung dieses Ortes. In den Jahren 1554 und
1555 erging wohl eine Regelung in dieser Richtung und wurden diesbezüglich zwei Verträge geschlossen, die jedoch von keiner der streitenden Parteien eingehalten wurden.

Im Jahre 1577 traten schließlich die Hofjünger förmlich als Kläger auf. Der Prozeß nahm von diesem Zeitpunkte sehr scharfe Formen an und lief mit geringen Unterbrechungen bis 1587. Auf mehreren Tagfahrten zu Bludenz und Feldkirch (9.1.1578; 6. - 8.2.1578; 8.6.1580; 30.6.1580; 12.12.1585 und 3.1.1586) und bei mehreren Lokalaugenscheinen sowie an Hand von dem durch zahlreiche Zeugeneinvernahmen gewonnenem Material wurde der Streit durch eine landesfürstliche Kommission in direkter Verhandlung mit den Parteivertretern behandelt und am 18. März 1587
der Spruch gefällt. Nach diesem gehörte Stallehr nach wie vor in die Gnoss der Hofjünger und
hatten die Sonnenberger keinen wie immer gearteten Anspruch darauf.

 

nach oben springen

zum Seitenanfang