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Die Kuratie

Schon im Sommer des Jahres 1749 übergaben die Gemeindeleute von Stallehr, dem Bischof den Entwurf eines Stiftbriefes für das geplante Benefizium. Dieses Enthält hauptsächlich die aus dem Kapellvermögen entnommenen 800 fl, welche zur Vergrößerung der Bludenzer Pfarrkirche verwendet wurden, deren Rückzahlen zu jenem Zeitpunkte ebenfalls im Gange war. Provikar Batlogg, welchem dieser Entwurf durch den Generalvikar Joh. Georg Jost von St. Georgen zur Stellungnahme zuging, riet unter anderem in einem Schreiben vom 31. Juli 1749 man solle im gegenständlichen Stiftbrief der fraglichen 800 fl keine Erwähnung tun, damit man "nit", wie Batlogg meinte, Anlaß gebe, die Sache in größerer Weitläufigkeit zu ziehen.

Die Erträgnisse des künftigen Kuraten waren im erwähnten Entwurf auf jährlich 174 fl festgelegt, wenn die Bludenzer die entlehnten 800 fl aus dem Kapellenvermögen wieder an dieses zurückbezahlen. Falls diese Rückzahlung, zu welcher die Stadt sowohl durch ein kirchliches als auch durch ein weltliches Gericht verpflichtet worden war, wider Erwarten nicht erfolgen solle, so wäre der jährliche Gehaltsbezug des Priesters auf 134 fl herabzumindern.
Den für die Übernahme der Unterhaltskosten des Kuraten erforderlichen Revers, stellte die Gemeinde Stallehr am 24. September 1749 beim Vogteiamte Bludenz aus, wobei 14 Gemeindeleute von Stallehr namentlich unterfertigten und die Verpflichtung übernahmen, einstweilen aus den vorhandenen Gefällen des bischöflichen genehmigten Kuratie - Benefiziums die Pfründe von jährlich 134 fl dem Benefizianten zu reichen.
Diese Gefälle sollen einschließlich der Behausung innerhalb von 10 Jahren weiter ergänzt werden. Sie gingen damit aber noch eine weitere Verpflichtung ein, nämlich:
Falls das Kapellenvermögen in dieser Zeit durch Stiftungen nicht soweit ansteige, daß es dem Kurat daraus einschließlich Wohnung nicht jährlich 200 fl treffe, sie, die unterschriebenen Gemeindeleute, den fehlenden Betrag soviel und solange aus ihren eigenen Mitteln dazu reichen, bis das Stiftungskapital 4000 fl mit einem jährlichen Zinsertrag von 200 fl ausmache. Als Sicherstellung erpfänden sie ihr gesamtes Hab und Gut und ersuchten den Vogteiverwalter Franz Josef Gilm diese Erklärung amtlich zu bestätigen. Die unterfertigten Gemeindeleute waren: Heinrich Bargehr, Andreas Burtscher, Martin Moll, Christoph Mutter, Josef Seeberger, Josef Mangard, Johann Mangard, Johann Lorenz Goldner, Hans Georg Seeberger, Lorenz Martin, Johann Döltsch, Johannes Mutter, Franz Anton Martin, Johann Moll und Josef Kalkgruber.
Der endgültige Stiftbrief wurde am 7. Jänner 1750 beim Vogteiamte Bludenz ausgestellt und vom Vogteiverwalter Franz Josef Gilm von Rosenegg unterfertigt und am 12. Jänner 1750 durch Bischof Josef Benedikt von Chur bestätigt. Im Stiftbrief wird darauf verwiesen, daß Hochw. Herr Ordinarius am 12. April 1749 bewilligt habe, daß zur mehreren Ehre Gottes, besonders aber zur Förderung hiesiger U.L.Frauenwallfahrt, auch mehreren Trost und besserer Bequemlichkeit der Einwohner und Unterweisung der Jugend unter seinen gewissen Bedingungen, allda ein eigenen "beneficium curatum" errichtet, sonach ein eigener Geistlicher und Kurat wisse, was er zu beziehen und was er zu verrichten haben, so sei dieser Stiftbrief errichtet worden.
1) Die Gemeinde Stallehr verspricht dem Kuraten auf ihre Kosten eine anständige Behausung samt daranliegendem Gärtlein anzuschaffen. Der Kurat soll beides, außer im Falle etwa vorfallender Haupt - Reparation, in baulichen Ehren erhalten.
2) Da zur Erhaltung der Kirche, der Paramente und anderen Erfordernissen noch ein genugsamer Fundus vom Vermögen der hiesigen unser lieben Frauen-Kirchen übrig bleibt, wenn auch aus deren jährlichen Einkünften dem Benefiziaten wenigstens 134 fl zu seinem weiteren Gehalt überlassen werden. Den Einzug der Gefälle aber soll er nach dem Beispiele anderer Pfarrherren und Benefizianten des Landes selbst besorgen.
3) Damit aber der Kurat zu den von den Diözesan - Konstitutionen vorgesehenen Einkünften komme, die einschließlich Behausung und Gärtlein 200 fl jährlich betragen, hat sich die Gemeinde unter besonders ausgestellter Gewährleistung des Tales Montafon vom 24. Sept. 1749 verbindlich gemacht und verspricht, den Abgang der jährlichen 200 fl, wenn sich innert 10 Jahren von dato an, zu deren Ergänzung nicht weitere und genugsame Beistiftungen zeigen sollten, aus dem ihrigen zu ersetzen.
4) Betreffs Obliegenheiten des Kuraten, so soll dieser alle Sonn- und Feiertage sowie alle Samstage, als an welchen sich die "Wallfahrtenden" am meisten einzufinden pflegen, in hiesiger unser lieb Frauen - Kirchen die hl. Messe, jedoch Applikation, lesen, den Ankommenden nach Möglichkeit Beicht hören und sie trösten.
5) Alle Sonntage soll er abwechselnd Predigt oder Christenlehre halten.
6) Da der Kurat laut Urbar für die Stifter und Guttäter verschiedene hl. Messen lesen muß, dieser Pflicht aber mit wöchentlich zwei hl. Messen genügt, so soll er wöchentlich in dieser Meinung, wie es bisher der Stadtpfarrer getan, oder tun ließ, der nun fortan dessen überhoben sein soll, zwei hl. Messen lesen, je mit Abbetung von einem Vaterunser und Ave Maria.
7) Die dahin zu stiften kommenden Jahrtage soll er um das gesetzmäßige Stiftquantum übernehmen und zeitgerecht halten.
8) Er soll die Kranken am Orte Beichthören und versehen.
9) Den Gemeindeleuten allda zu gelegener Zeit im Frühling mit vorheriger Begrüßung des Pfarrers auf ihrem Feld herum eine Prozession halten und das Feld benedizieren und an diesem Tag die hl. Messe applizieren, wofür ihm von der Gemeinde 1 fl bezahlt werden soll
10) Er wird sich nicht beschweren, zu Auferbauung des Volkes je am Samstag abends bei Abbetung des Rosenkranzes sich einzufinden.
11) Kollaturrecht oder "Jus Praesentandi" betreffend soll dieses für immer bei den Gemeindeleuten zu Stallehr oder an wen dieselbe es "cedieren" oder abtreten werden sein und verbleiben, denen auch obliegen soll einen Mesner am Ort zu bestellen gegen entsprechende Dienstgebühr.
12) Die Gemeindeleute versprechen und sollen gehalten sein, insküftig wie vorher zu allfälliger Erhaltung, Reparierung und Neuerbauung der Pfarr- und Mutterkirche Bludenz zu konkurrieren und weiter da, was sie bisher zu tun schuldig sind zu prästieren. Auch sollen dem Pfarrer seine pfarrlichen Rechte in allweg ungekränkt und ungeschmälert verbleiben und soll der Kurat von ihm, wie sich gebührt, dependieren.
13) Zur Rekognition gegen die Mutterkirche sollen die Stallehrer an den 4 Hochfesten, an Fronleichnam, Kirchweihe und Patrozinium in Bludenz mitsamt ihrem Kuraten sich beim Gottesdienst dortselbst fleißig einfinden.
14) Sie sollen verbunden sein, mit Zug des Kuraten alle zwei Jahre von der Administration der Kirchengüter und Einkommen vor dem Stadtpfarrer und weltlicher Obrigkeit ordentliche Raittung erstatten und abzulegen. Dessen zu Urkund ist dieser Stiftbrief, nachdem eine k.u.k. Repräsentations- und Hofkammer sub. 14. Nov. letzthin im Namen und anstatt der allerhöchst landesfürstl. Herrschaft den erforderlichen Konses erteilt, von Obrigkeits wegen ausgefertigt und besiegelt werden im lehensherrlichen Schloß. Bludenz, den 7. Jänner 1750 L.S. Franz Josef Gilm v. Rosenegg, Vogteiverwalter beider Herrschaften Bludenz und Sonnenberg.

Bischof Josef Benedikt erklärt, daß nachdem er die vorstehende Stiftung seiner Bewilligungssignatur ddt. 12.4.1749 ganz konform eingerichtet befunden, er dieselbe hiemit von Ordinariats wegen annehme und bestätige. Chur, den 12. Jänner 1750.

Gleichzeitig mit der Überlassung des Kollaturrechtes an die Regierung, welche am 7. Jänner 1750 erfolgte, schlug die Gemeinde Stallehr in Ausübung ihres Nominationsrechtes hinsichtlich der Pfründe nachstehende Geistliche als künftige Kuraten vor: Johann Josef Zängerle, Kaplan zu Mahton, Franz Josef Schneider, Kooperatur zu Rankweil und Hyronimus Singer. Im diesbezüglichen Schreiben erwähnten sie gleichzeitig, daß sie auf den Erstgenannten reflektieren würden. Johann Josef Zängerle wurde dann auch als ester Kurat von Stallehr am 18. Juli präsentiert und am 23. August 1750 investiert.
Schon einen Tag später bewilligten ihm die Leute von Stallehr bis zur Erhöhung der Pfründe anstatt der wöchentlichen Stiftmessen, die "nicht eigentlich von Stiftern herrührten, sondern vom Bischof laut Stiftbrief verordnet worden" nur eine Wochenmesse lesen zu müssen. Die Stallehrer waren nun sehr bemüht die Kirche und Pfründe finanziell besser zu fundieren und waren bestrebt, um dieses Ziel möglichst rasch zu erreichen auch von auswärts Mittel hereinzubringen. So liegt ein Ausweis vor, nachdem im Herbst 1751 neun Bewohner der Nachbarorte Bings und Radin gemeinsam den Betrag von 184 fl zur Verfügung stellten. Anfangs 1752 erhielt die Gemeinde ein von weltlicher und geistlicher Obrigkeit ausgestellten Bettelpatent auf die Namen Andres Purtscher und Franz Anton Martin ausgestellt. Das Empfehlungsschreiben des Bischofs vom 19. Jänner 1752 besagt, daß wegen des anwachsenden Zulaufes der Pilger die Errichtung einer Kuratie in Stallehr nötig geworden; auch die Gnadenkapelle daselbst sollte erweitert werden; da aber die zwölf Haushaltungen alles nicht allein bestreiten könnten, so möchten die Gläubigen milde Beihilfe leisten.
Das Empfehlungsschreiben des Kreisamtes (kk.erz.-u. landesfürstl. Oberamts Kanzlei des Landvogtei vor dem Arlberg in Bregenz) betont außer der Kapellenerweiterung auch die Notwendigkeit der Komplettierung des neuen Benefiziums.
Auch in Bezug auf die Behausung des Kuraten war man sehr bemüht, die Angelegenheit in Richtigkeit zu bringen. So schreibt der Kurat Zängerle am 9. Dezember 1752 an den Generalvikar in Chur, daß sich die Leute von Stallehr für ihn um eine, wenn auch alte so doch gut erhaltene Behausung umgesehen und auch gekauft haben. Mit der Ergänzung der Pfründe scheint es jedoch langsamer vor sich gegangen zu sein; allem Anschein nach ist diese erst in den 1780er Jahren erfolgt. Der Kurat Martin Andrä Lorenzi erwarb am 9. Oktober 1786 zum bestehender Pfründgut, von Josef Ganahl aus Stallehr einen Acker im Ausmaße von drei Mittmel und 30 Schritt für 200 fl. Diese Kaufurkunde wurde am 30. November 1786 durch das Vogteiamt zu Bludenz beglaubigt. Zu jener Zeit war das Einkommen des Kuraten trotz weitgehenden Zusicherungen die bei der Errichtung der Kuratie gemacht wurden immer noch auf den anfänglichen angesetzten 134 fl. Der Vogteiverwalter F.J. Simeon von Burchberg verpflichtete deshalb am 13. Mai 1788 die Stallehrer, das Einkommen ihres Kuraten auf die versprochenen 200 fl zu erhöhen. Gleichzeitig verwies er eingehend darauf, daß sie das Benefiziatenhaus baulich herzustellen und zu erhalten haben. Ein weiterer Bescheid ging am 12. November 1789 an die Gemeinde Stallehr ab in dem sie aufgefordert wird die notwendig gewordenen Reparaturen am Benefiziatenhaus zu bezahlen, widrigenfalls mit den Bürgern anders verfahren werde.
Die in den Jahren 1740 - 45 für den Pfarrkirchenbau zu Bludenz aus dem Kapellenvermögen von Stallehr entnommenen 800 fl hatte die Stadt bzw. Pfarre Bludenz zu diesem Zeitpunkte noch immer nicht zurückbezahlt. Es ist daher erforderlich, diesen Streit hier zu streifen. Die Vergrößerung der Pfarrkirche zu Bludenz war dringend notwendig geworden, diese Arbeit wurde dann auch in den Jahren 1740 - 45 mit einem Kostenaufwand von 4927 fl durchgeführt. Um die aufgelaufenen Schulden besser decken zu können, wandten sich die Bludenzer an den Bischof Josef Benedikt, welcher ihnen, nachdem alle anderen Einnahmequellen versiegt waren, die Entnahme von 800 fl aus dem Fond der "ziemlich reichen" Filialkirche Stallehr genehmigte, nachdem Stallehr für den Bludenzer Kirchenbau trotzdem es hiezu verpflichtet gewesen wäre, nichts beigetragen habe.
Die Stallehrer betrachteten dieses Geld von vornherein als Leihgabe an die Pfarrkirche, dies besonders deshalb, da ja Bischof Johann IV. Flugi bestimmt hatte, daß von Kapellenvermögen zu Stallehr nichts entfremdet werden dürfe. Die Stadt hingegen betrachtete diesen Betrag als von der Filialkirche geschuldete Beihilfe.
Stallehr erhob gegen diese Meinung im Jahre 1745 Berufung und führte dabei den Text ihres Kapellen - Urbars an. In dem gegenständlichen Schreiben forderte sie die Rückbezahlung der durch Bludenz "wegpraktizierten" 800 fl. Die Stadt weigerte sich dies zu tun und berief sich auf die Bewilligung des Bischofes und den Umstand, daß das Geld "gut und Recht" angewendet sei.
Sachwalter Stallehrs in diesem langwierigen Streite waren Heinrich Bargehr und Peter Neyer. Ersterer Mitstifter der Kapelle und Bürge für das Kapellenvermögen, der andere war montafonischer Amtsgegenschreiber, ein erbitterter Feind der Bludenzer. Diese ritten nicht weniger als zehnmal nach Chur; ersterer ging dreimal nach Innsbruck und beide zahllose male zum Vogteiamt in das Schloß zu Bludenz sowie zum Provikar nach Bürs und zur Standesrepräsentation nach Schruns. Die Reise nach Chur dauerte jedesmal 5 - 7 Tage und kostete pro Mann und Pferd 7 - 11 fl. Die Reisen nach Innsbruck nahmen 13 - 15 und 21 Tage in Anspruch. Für Zehrung und Lohn in drei Wochen stellte Bargehr 17 fl 57 kr in Rechnung. Die Sache stand für Stallehr günstig, zumal die Beamten der Gubernial - Hofkammer sowie der Vogteiverwalter für ihre Sache eintraten. Besonders energisch setzte sich der Standesrepräsentant vom Montafon für Stallehr ein. Der Stadtpfarrer und der Bischof hingegen hielten zur Stadt während der Provokar sich mehr neutral verhielt und eher zu einem Kompromiß neigte. Mit Schreiben vom 25. September 1750 drängte die Hofkammer die Stadt auf Rückzahlung obigen Betrages und machte dem Bischof in einem gleichzeitigen Schreiben den Vorschlag, daß diese "Rebonifikation und Refusio" durch die Stadt am besten aus den Einkünften der Dreifaltigkeitsbruder- oder der Rosenkranzbruderschaft, welche beide bedeutende Überschüsse aufzuweisen hätten, erfolgen solle. In einem weiteren Schreiben (10. November 1750) stellte die Regierung der Stadt in Erledigung ihrer Eingabe vom 5. September 1750 in Aussicht, sie im Weigerungsfalle durch "behörige Zwangsmittel dahin kompellieren zu wollen". In diesem Schreiben heißt es weiter, die Stadt habe zwar vermöge Ordinariats - Sentenz vom Jahre 1728 die Aufsicht über die Stallehrer Kirchenrechnungen fortzuführen, dieses Recht dürfe sich aber in keiner Weise der Erbauung des Stallehr´schen Benefiziatenhauses widersetzen sondern habe jenen Betrag in der vorgedachten Weise zurück zu erstatten. In einem am 19. Dezember des gleichen Jahres abgefaßten Schreiben schilderte die Stadt dem Bischof was für Auslagen der Kirchenbau erfordert habe und daß die genannten Bruderschaften für diesen Zweck bereits über 2000 fl beigetragen hätten.
Die Gegenseite jedoch verwies darauf in einem am 15. Jänner 1751 an den Provikar gerichteten Brief, daß aus den kirchlichen, karitativen Fonden der Stadt in der Zeit von 1748 - 1750 allein an Zinsen der Betrag von 1580 fl übrig geblieben sei und diese daher die Summe von 800 fl der ohnehin so bedürftigen Gemeinde Stallehr leicht zukommen lassen könne. Inzwischen wurde über Vorschlag des Bischofs eine Kommission zur Prüfung der Verhältnisse gebildet, die den kirchlichen wie den weltlichen Obrigkeiten berichten solle, welche Möglichkeiten die Stadt zur Begleichung ihrer Schuld an Stallehr habe. Der Kommission gehörten als Vertreter der Regierung der, der Stadt alles eher als freundlich gesinnte Vogteiverwalter Frz. Josef Gilm von Rosenegg, an. Auf Grund des einhelligen, positiven Ergebnisses beider Kommissäre eröffnete die Hofkammer am 26. Jänner 1751 dem Ordinariat ihre Ansicht, die strittigen 800 fl seien von den Stallehrern geschenkt worden, sie ein "irrsöliges suppositum", die Stadt könne die Kirchenbaukosten ganz gut aus eigenen frommen Stiftungen tragen und sei außerdem ohne weiteres in der Lage, das den Stallehrern entnommene Kapital samt 100 fl verfallenem Zins insgesamt also 900 fl in drei Jahresraten zu 300 fl bis 1752 zurückzubezahlen. Das Ordinariat entschied nun am 6. März 1751 die Stadt habe den Betrag von 800 fl innerhalb von vier Jahren also in Raten von je 200 fl an die Kirche von Stallehr zu begleichen.
Während die aufgelaufenen Kosten für die Stadt auf 50 fl zu stehen kamen, sah sich die Gemeinde Stallehr veranlaßt, zur Bedeckung der ihr angelasteten Prozeßkosten von 308 fl in welchen aber die Auslagen für Heinrich Bargehr und Peter Neyer nicht inbegriffen waren, ein Darlehen aufzunehmen. Beide Kommissäre beantragten bei Ordinariat, daß diese Unkosten, Stallehr aus den eigenen Sammelgelder bestreiten solle. Der Rest der Sammelgelder aber sollte zur Vervollständigung der Benefiziatenpfründe und zur Beschaffung des Widums verwendet werden. Die von der Stadt Bludenz zu gewärtigenden 800 fl sollen nach Ansicht der Kommissäre dem gleichen Zwecke zugeführt werden.
Im Spätherbste des Jahres 1754 beklagen sich die Vorgesetzten des Tales Montafon beim Bischof in sehr ernstem Tone, daß sich Bludenz trotz der Entscheidung des Bischofes und der Regierung und trotz zahllosen Ermahnungen ihrerseits noch immer nicht zur Zahlung der so hart umstrittenen Schuld herbeigelassen habe. Die Bludenzer hätten ihnen erwidert, daß jenes Geld nebst den neuen Stiftungen und den "freigebigen" Beitrag dem Kirchlein zugehöre. Die Stadt sei jedoch nicht geneigt den Betrag auszufolgen, die Stallehrer, wie es sich gehöre vor der Stadt Rechnung gelegt habe. Bis zu diesem Zeitpunkte liege das Geld bei ihr "hinter Recht." Die Vorgesetzten des Tales Montafon vertreten den Standpunkt, die Stadt wolle sich durch dieses "widrige" Verhalten nur wegen der ihr so "mißliebigen" Kuratie - Errichtung, an den "armen Gemeindeleuten" von Stallehr rächen. Weiters bitten Sie den Bischof er möge die "streitsüchtigen und friedlosen Stadtbürger" dazu verhalten, das Geld ihnen auszufolgen oder hinter eine dritte Hand zu legen, damit es nicht im Stadtsäckel brach liege und der arme Kurat darunter leide.
Trotz drohender Schreiben von Seiten der Regierung und des mittlerweile ebenfalls ungeduldig gewordenen Bischofs scheint sich die Stadt jedoch erst anfangs 1790 zur Rückzahlung des so heiß umkämpften Kapitals herbeigelassen zu haben. In den Jahren 1820 - 30 war die Stadt wieder im Besitz und in der Verwaltung des Stallehrer Kirchenvermögens. In einem durch die Stadt am 14. Februar 1826 an das Landgericht Sonnenberg gerichteten Schreiben setzt sich dieselbe energisch gegen die geforderte Herausgabe des Kirchenvermögens zur Wehr und führt u.a. aus, die Gerichtsherren würden besser tun, wenn sie sich um Gauner und Spitzbuben kümmerten, als der Stadt und ihrem ehrbaren Rate die alten Rechte streitig zu machen. Mit Gubernial - Dekret vom 14. Dezember 1827 wurde der Magistrat für alle Zukunft der Verwaltung des Kirchenvermögens von Stallehr enthoben und beauftragt die Stadt dasselbe unverzüglich an Stallehr auszufolgen. Das Landgericht Sonnenberg bestätigte dieses Dekret am 10. Jänner 1828 und stellte es der Stadt mit folgendem Bemerkungen zu:
Die Gemeinde Stallehr gehöre im politischen Administrationsverband zum Landgericht Montafon. Laut Stiftbrief von 1750 habe diese Gemeinde, ohne Beitrag durch Bludenz die Kuratie ausgestattet und dem Kuraten den etwaigen Abgang von jährlich 200 fl zu decken sich verpflichtet. Nach der Gubern. Verordnung vom 13. Oktober 1821 aber stehe jeder Gemeinde mit einem selbständigen Seelsorger das Recht zu, das eigene Kirchenvermögen selbst zu verwalten. Dieser Bestimmung sei der Stiftbrief nicht entgegen, wonach alle zwei Jahre vor dem Bludenzer Pfarrer und der weltlichen Obrigkeit Rechnung gelegt werden solle. Aus den Kirchenrechnungen aber ersehe man, daß Kirchenpfleger von Stallehr das Vermögen verwaltet haben. Dem steht jedoch ein Schreiben des seinerzeitigen Vorstehers von Stallehr gegenüber, daß dieses Amt zumindest eine geraume Zeit mit einem Bludenzer besetzt war, während man früher stets einen Stallehrer hiezu berufen hatte.
Nachdem die Bludenzer auf diese amtliche Schritte hin nicht reagierten, wurden sie am 28. Februar 1831 gerichtlich gezwungen, das Stallehrer Kirchenvermögen in der Höhe von 2205 fl 45 kr in bar und 50 fl 39 kr an Aktivausständen auszufolgen. Die Übergabe desselben erfolgte jedoch erst am 5. Oktober des gleichen Jahres.
Wann das Stallehrer Kapellenvermögen dem Pfarrkirchenvermögen einverbleibt worden war, läßt sich nicht feststellen, doch dürfte dies unter der alles gleichschaltenden josefinischen Regierung gleichzeitigem mit dem Kirchenvermögen der benachbarten St. Leonhardskapelle erfolgt sein. Dieser Akt geschah wahrscheinlich ohne Einfluß des Stadtrates sondern über staatliche Anordnung. In dieser Zeit waren auch wiederholt Bestrebungen im Gange, die Seelsorge von Stallehr nach St. Leonhard zu verlegen. Unter den verschiedentlich eingelaufenen Anträgen war auch einer der Bewohner von St. Leonhard und Radin welche diesen Vorschlag sehr treffend vertraten. In diesem Zusammenhang wurde auch in Erwägung gezogen, die Kapelle zur Pfarrkirche zu erheben, nachdem sie in der Mitte zwischen Bludenz und Außerbraz, das damals pfarrlich noch nach Bludenz gehörte, gelegen sei. Gegen diesen Plan erhob aber die Stadt, wie der Pfarrer von Bludenz Einspruch. Ein anderer Vorschlag lautete, die Parzelle Bings, St. Leonhard bis Außerbraz und Gasünd zur Seelsorge Stallehr zu schlagen, dagegen wehrten sich wiederum die Bewohner dieser Gebiete, sodaß sich die eingesetzte Kommission entschloß, die Sache beim Alten zu lassen. Im Jahre 1787 kam die Anregung St. Leonhard zu einer Lokalkaplanei zu erheben und die Kuratie Stallehr aufzuheben, neuerlich zu Sprache. Diesmal war sogar ernstlich erwogen worden die Einkünfte der Stallehrer Kuratie nach St. Leonhard fließen zu lassen. Diesmal waren nicht nur die Bewohner von Bings und St. Leonhard sondern ein Großteil der Stallehrer einschließlich des Kuraten für diesen Plan eingenommen. Sowohl die kirchliche, wie die weltliche Oberbehörde wies dieses Vorhaben jedoch ab. 1789 schrieb das Vogteiamt Bludenz an das Kreisamt in Bregenz, daß die Verlegung der Seelsorge von Stallehr nach St. Leonhard äußerst ungünstig sei, da diese Orte durch "die oft gar übel hausende Alfenz" getrennt und die Gläubigen in solchen Fällen von ihrer Kirche abgeschnitten wären. Dieser Einwand wurde damit widerlegt, daß in solchen Fällen in kürzester Zeit die Verbindung wieder hergestellt würde. Es wurde weiter betont, daß das Kapellenvermögen von St. Leonhard 3142 fl 1 kr betrage, wogegen jenes von Stallehr nur 1914 fl 43 kr ausmache, wozu allerdings das Kurathaus, ein Baumgarten und ein Acker, zusammen im Wert auf 900 fl komme. Die entscheidende Frage in der ganzen Angelegenheit war der Einzug des Stallehrer Kirchenvermögens in jenes von St. Leonhard und die erforderliche Vergrößerung der dortigen Kapelle, welche einen Betrag von 400 fl erfordern würde. Nach langem für und wider entschied dann am 12. November 1789 der Bischof, daß das Benefizium Stallehr dort zu verbleiben habe. Schon im Jahre 1790 wurde ein neuer Versuch unternommen die Verlegung der Seelsorge durchzusetzen. Besonders der Stallehrer Kurat Franz Josef Neyer setzte sich sehr für diesen Plan ein. In einem am 31. August 1790 an das Kreisamt gerichteten Schreiben führte er aus: Die in dieser leidigen und lange währenden Sache schon oft genannten Orte zählten zusammen 39 Familien mit 168 Seelen, wogegen Stallehr nur 14 Familien mit 50 Seelen aufzuweisen hätte. Die Kirche in St. Leonhard sei genügend groß und zudem im Mittel der seelsorglich zu betreuenden Parzellen. Ein weiterer positiver Umstand sei, daß sich in Bings ein Schulhaus befinde, daß auch von den Stallehrer Kindern besucht werden müsse, nachdem dieser Ort über keine solche Einrichtung verfüge. Auch die übrigen Bedingsnisse, wie der Hausbau für den Kaplan in St. Leonhard und die Erfordernisse für die Entschädigung von Stallehr seien erfüllt. Der Gouverneur Graf Saur und der Landvogt Schenk hätten ihre Unterstützung in dieser Sache zugesagt. Der Bischof, wie die k.k.Kommission seien diesfalls bisher nie hinreichend unterrichtet worden, weshalb sie kein bejaendes Urteil abgeben können. Schließlich führte er aus, die Gemeinde Stallehr sei gar nicht würdig ihren kleinen Gemarkungen und der lächerlich kleinen Einwohnerzahl einen eigenen Kuraten zu haben. Er wies dabei auch auf zahllose Verdrißlichkeiten, welche die Bewohner des Ortes ihm und seinen Vorgängern bereitet haben. Auch sei er bei den Gottesdiensten meistens allein in der Kirche, im günstigsten Falle würden sich ein paar alte einfältige Weiblein hiezu einfinden. Die am 19. Oktober 1790 abgefaßte Antwort des Kreisamtes verwies den Kurat mit seinem Gesuch an die Kurie und wenn diese ihre Zustimmung hiezu gebe, so würde auch von der weltlichen Behörde kein Einwand gemacht. Damit scheint der Gedanke, die Seelsorge nach St. Leonhard zu verlegen seinen Abschluß gefunden zu haben.
Unter der bayrischen Regierung wurde das Bludenzer Dreifaltigkeitsbenefizium trotz des Widerstandes der Stadt und der Pfarre Bludenz aufgelöst und bestimmt, daß dessen jährliche Einkünfte von 346 fl 3 kr auf die Pfarrpfründe und jene der Kuratie Stallehr aufzuteilen sei. Demnach wurden dann auch 200 fl der Pfarre Bludenz und der Rest mit 146 fl 3 kr dem Benefizium zu Stallehr zugewiesen. Das Benefiziatenhaus sollte veräußert werden, der Erlös jedoch in sichere Werte angelegt und die Zinsen ebenfalls der Pfarre und der Kuratie nutzbar gemacht werden. Die dazugehörenden Grundstücke sollten mit dem Pfarrfond vereinigt und sowohl dem Pfarrer von Bludenz wie dem Kurat zu Stallehr zur Benützung freigegeben werden bzw. nach dem Ergebnis der Schätzung auf die Renten der beiden aufgeteilt werden.
Das Benefiziatenhaus der Dreifaltigkeitsbruderschaft wurde trotzdem es von der Obrigkeit bereits zum Verkaufe ausgeschrieben war, über Drängen der Stadt, nicht veräußert sondern dem Kooperator als Wohnung zugewiesen. Hiezu gab der König von Bayern wie der Stadtpfarrer und der Kurat seine Einwilligung. Die Aufteilung der Stiftungsverbindlichkeiten wurde durch Dekan J.J. Stey aus Altenstadt vorgenommen. Dieser verfügte am 12. Dezember 1812, daß von den am aufgehobenen Benefizium haftenden 209 Messen 121 der Stadtpfarrer und die restlichen 88 der Kurat zu zelebrieren hätten.
Die beiden Nutznießer des aufgehobenen Benefiziums teilten sich am 20. Jänner 1815 in die übernommenen Obliegenheiten, wobei der Kurat die Verpflichtung übernahm, Die Kranken in Bings und den Nebenorten zu versehen und einmal wöchentlich in der Friedhofskapelle zu Bludenz eine hl. Messe zu lesen. Am 18. Juli 1815 verglichen sich jedoch der Kurat und der Bludenzer Frühmesser dahin, daß ersterer die Wochenmesse zu St. Leonhard und letzterer die Messe in der Friedhofskapelle übernahm.
In den Jahren 1932 - 1937 entstand neuerdings Unfriede zwischen den beiden Gemeinden Stallehr und Bludenz u.z. wegen der Kirchenkonkurrenz. Die Pfarre Bludenz, die Expositur Stallehr und Lorüns bildeten bis 1831 seelsorglich eine Gemeinde. Der Stiftbrief vom 12. Jänner 1750 weist in seinem Punkt 12 die Verpflichtungen der Bewohner von Stallehr der Mutterkirche Bludenz gegenüber aus.
"Diese versprechen und sollen gehalten sein von nun an in alle Zukunft wie vordem, zu allfälliger Erhaltung, Reparierung oder neuer Erbauung der Pfarr- und Mutterkirche zu Bludenz zu konkurrieren und fürwärts jenes, was sie dahin zu tun schuldig sind, ein wie den anderen Weg zu präsentieren." Damit ist die Verpflichtung der Stallehrer, zu den übrigen Kultuserfordernissen beizutragen, ausgesprochen. Die Bewohner von Stallehr waren daher auf Grund des Stiftbriefes, gem. § 1 des Landesgesetzes vom 25. Juni 1863 (LGBL. Nr. 48) zur Mutterkirche Bludenz beitragspflichtig, trotzdem sie längere Zeit hindurch zur Leistung der Kultusbeiträge nicht herangezogen wurden.
Als die Kuratie im Jahre 1750 errichtet wurde, waren deren Bedürfnisse durch Stiftung vollauf gedeckt. Gleichzeitig konnten die Erfordernisse der Pfarrkirche aus den Erträgnissen der eigenen Stiftung aufgebracht werden, sodaß eine Beitragsleistung durch die Filialkirche nicht erforderlich war. Durch die nach dem Kriege 1914 - 1918 entstandene Geldentwertung gingen auch die Stiftungskapitalien dieser beiden Kirchen verloren, weshalb die erforderlichen Gelder sowohl für die Pfarrkirche, wie für die Kapelle zu Stallehr durch die Pfarrangehörigen aufgebracht werden mußten. Den Stallehrern oblag nun die doppelte Verpflichtung, nämlich die Aufbringung der erforderlichen Mittel für die Expositur, wie die Beitragsleistung an die Mutterkirche, auf welche die Bludenzer nicht mehr verzichteten. Diese aber war für die kleine Gemeinde mit 97 Seelen in 16 Familien eine untragbare Last. Ein weiterer Umstand war, daß die zu Bludenz gehörenden Parzellen Bings usw. nicht nach Stallehr sondern nach Bludenz konkurrierten, jedoch größtenteils die seelsorgliche Hilfe des Stallehrer Kuraten in Anspruch nahmen.
Der Kirchenkonkurrenzausschuß Bludenz, Lorüns, Stallehr hatte für die Jahre 1927 - 28 die Beitragsleistung der Kuratie Stallehr an die Pfarre Bludenz frei gelassen. Diese Maßnahme wurde damit begründet, daß es zweckmäßig sei, wenn die rund 300 Seelen der Parzelle Bings usw. weiterhin die Kirche in Stallehr benützten, nachdem der Weg nach Bludenz für sie sehr beschwerlich, andererseits aber in den Bludenzer Kirchen ohnehin nur beschränkt Platz sei. Aus diesem Grunde wurde die Befreiung der Stallehrer von ihrer Konkurrenzpflicht stillschweigend weitergewährt. In den Jahren 1930 - 31 erhielt die Filialkirche sogar je S 300 als Beihilfe, weil eben die zu Bludenz gehörenden Parzellenbewohner die Kuratiekirche immer benützen konnten.
Da die finanziellen Verhältnisse der Filialkirche immer kritischer wurden, richtete die Apostolische Administratur an den Stadtrat von Bludenz am 16. Februar 1932 ein Schreiben in dem sie zur Lösung dieser Zwangslage eine Grenzänderung für die Seelsorgsgebiete Bludenz Stallehr vorschlug. In diesem Schreiben werden drei Vorschläge zur Beratung der Stadt unterbreitet:
a) Es möge eine neue Grenzführung gemacht werden u.z. von Brunnenfeld gegen das Wächterhaus an der Straße Bludenz - Bings und dann von dort aus gegen die Berghöhe hinauf.
b) Das Erträgnis der Kultussteuer aus dem gesamten Seelsorgsgebiet Bings - Radin - Grubs sollte ähnlich wie bei Außerbraz dem Kirchenausschuß Stallehr - Bings überwiesen werden, zur Bestreitung der Kultusauslagen der Kuratie Stallehr. Es könnte dann allerdings billigerweise von den Bewohnern im Bingser Bereich nicht verlangt werden, daß dieselben auch noch überdies zu den Kultusauslagen der Stadtpfarre Bludenz beisteuern.
c) Für die Kirchenverwaltung in Stallehr - Bings wäre ein eigener Kirchenausschuß zu bilden, in dem auch Vertreter von Bings und den angrenzenden Parzellen mit gleichen Rechten vertreten wären.

Die Frage, wie die Kultusauslagen der praktisch bereits erweiterten Seelsorgegemeinde Stallehr gedeckt werden können, nahm inzwischen bereits ernste Formen an.
Bei der Erstellung des Voranschlages für 1932 gab sich der Stallehrer Vertreter im Kirchenkonkurrenzausschuß Bludenz - Lorüns - Stallehr mit den in den letzten Jahren bewilligten S 300 nicht mehr zufrieden sondern forderte die Erhöhung dieses Betrages auf S 600. Die Stadtverwaltung veranlaßte daraufhin die Feststellung des Rechtszustandes betreffend die Beitragspflicht. Die diesbezüglichen Erhebungen ergaben, daß die Gemeinde Stallehr anstatt S 600 zu bekommen, S 1638 an die Mutterkirche zu bezahlen habe. In der Kirchenkonkurrenzausschußsitzung vom 21. April 1932 wurde jedoch beschlossen, diesen Betrag der Gemeinde Stallehr zu erlassen, wenn sie die Verpflichtung eingehe, daß den Bewohnern der zu Bludenz gehörigen Parzellen dieselbe seelsorgliche Betreuung zukomme wie den Stallehrern selbst. Dieser Beschluß wurde jedoch in der am 28. April d.J. stattgefundenen Sitzung dahingehend abgeändert, daß die Kirchengemeinden Lorüns und Stallehr gemeinsam für das laufende Konkurrenzjahr S 1600 an die Mutterkirche Bludenz zur Einzahlung zu bringen haben. Gegen diesen Beschluß erhoben sowohl Lorüns als auch Stallehr Einspruch. Letzteres beauftragte am 21. und 28. April 1932 den Rechtsanwalt Dr. Jos. Reich formell mit der Klärung dieser Angelegenheit. Die Landeshauptmannschaft als Berufungsinstanz lehnte jedoch am 3. August 1933 den Einspruch der Stallehrer ab und bezeichnete die gegenständliche Vorschreibung der Kultusumlage als zu Recht bestehend. Hierauf appellierten die Stallehrer an das Unterrichtsministerium, daß sich zur Klärung des Falles bei der Apostolischen Administratur Feldkirch ein Gutachten einholte. Diese stützte sich wieder auf den Stiftbrief von 1750 nach welchem Stallehr der Mutterkirche gegenüber als beitragspflichtig aufscheint.
Die Beschlüsse des Konkurrenzausschusses wie die Zurückweisung der Berufung durch die Landeshauptmannschaft hatten sich die Gemüter von Stallehr jedoch soweit erregt, daß sich der Gemeindeausschuß gezwungen sah, eine Versammlung aller Steuerträger einzuberufen. Das Produkt dieser sehr erregten Bürgerversammlung war, ein einstimmiger Beschluß, den Bischof, als Protest gegen diese unerhörte Forderung der Bludenzer, zu ersuchen, ihre Kuratie bis auf weiteres unbesetzt zu lassen. In dem diesbezüglichen Schreiben an den Bischof, welches am 21. August 1933 abgefertigt wurde bemerkte die Gemeindevorstehung, daß sobald die finanzielle Frage geregelt sei, wäre ihnen ein Seelsorger wieder willkommen. Die Gemeinde kündete sodann am 1. Oktober d.j. dem Mesner und Organisten und verfügte die Sperrung des Beitrages zum ewigen Licht in der Kirche. Kurat Jussel wurde daraufhin von seinem Posten in Stallehr abberufen und als Kaplan nach Hohenweiler versetzt. Von diesem Zeitpunkt an wurde in Stallehr wie in St. Leonhard drei Jahre hindurch an Sonn- und Feiertagen eine hl. Messe gelesen. Für Stallehr besorgten dies Missionare des kostbaren Blutes aus dem Xaveriushaus in Feldkirch, während in St. Leonhard Hilfsgeistliche aus Bludenz zelebrierten. Der Streit zwischen Stallehr und Bludenz die Kirchenbeitragsleistung betreffend fand erst in der Sitzung des Konkurrenzsausschusses vom 23. März 1936 seinen Abschluß, nachdem sich beide durch die Annahme nachstehender fünf Punkte einigten:
1) Die Stadt nimmt Abstand von der vordem erhobenen Forderungen.
2) Die Stadt erhebt während der Dauer des Übereinkommens an die Gemeinde Stallehr keinerlei Ansprüche wegen Leistung von Beiträgen an die Mutterkirche.
3) Den Bewohnern von Bings, Radin, Grubs und St. Leonhard steht das gleiche Recht wie den Bewohnern von Stallehr zu, die Seelsorgskirche von Stallehr zu benützen und den Kuraten seelsorglich für sich in Anspruch zu nehmen. Der Kurat von Stallehr wird im Einvernehmen mit dem Stadtpfarramt auch den Religionsunterricht an der Schule in Bings übernehmen.
4) Die Stadt leistet für die Dauer dieses Abkommens einen jährlichen Betrag von S 700 an die Kirchenkasse in Stallehr; die Gemeinde Stallehr hingegen kommt für die Deckung der Kirchenbedürfnisse, wie für die Erhaltung der Kirche selbst und des Kuratenhauses auf. Die Kultusumlagen der zu Bludenz gehörenden Parzellen fließen nach wie vor der Stadt Bludenz zu.
5) Bings und die übrigen Parzellen haben das Recht eine der beiden Kirchenpflegerstellen von Stallehr im Einvernehmen mit dem Stadtrat und dem Stadtpfarrer zu besetzen und volle Einsicht in die Geldgebarung der Stallehrer Kirchenverwaltung zu nehmen. Die Gemeinde Stallehr hat ihren Rekurs zurückzuziehen. Über ausdrücklichen Wunsch der Bewohner von Bings usw. hat der Kurat wöchentlich einmal eine hl. Messe in St. Leonhard zu lesen.
Der Vertreter der Gemeinde Lorüns lehnte die Annahme dieses Vergleiches jedoch entschieden ab, weil er befürchtete, seine Gemeinde werde hiedurch in Zukunft stärker belastet. Um ein nochmaliges Aufleben des nach langem für und wider nun glücklich beendeten Streites zu verhindern, übernahm der Bludenzer Bürgermeister David Jochum in der Sitzung des Kirchenkonkurrenzausschusses vom 1. März 1937, auf den Beschluß der Sitzung vom 23. März 1936 Bezug nehmend, die Übernahme der S 700 durch die Stadt. Die Gemeinde Lorüns erklärte hierauf am 8. März 1937 ihre Zustimmung zu diesem Übereinkommen, das nun auf die Dauer von fünf Jahren festgelegt wurde. Nachdem der Gemeindetag von Bludenz in seiner Sitzung vom 5. Mai 1937 ebenfalls bejaend Stellung nahm, fand der langwierige Handel seinen für alle Teile befriedigenden Abschluß.
Am 12. Februar 1947 ging Stallehr wiederum einen Schritt weiter und beantragte bei der Apostolischen Administratur die Trennung von der Mutterkirche Bludenz, was der Bischof zustimmend zur Kenntnis nahm und unverzüglich die erforderlichen Schritte einleitete. Diesmal
ging der Wunsch bedeutend rascher in Erfüllung als es bei ähnlichen Anlässen in früherer Zeit der Fall war, denn schon am 1. August 1948 wurde Stallehr unter Einbeziehung von Bings und den übrigen Parzellen zum Pfarrvikariat Stallehr - Bings erhoben.

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